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Gross Grünhorn 4044m  

Steckbrief

 

Gross-Grünhorn 4043.5 m; siebenthöchster Viertausender der Berner Alpen;

Gemeinde Fieschertal VS;

Gipfel aus Amphibol (grüne Hornblende)

Ausgangspunkte und Normalrouten: Von der Konkordiahütte 2850 m über das Grünegghorn (eher im Sommer) und von der Mönchsjochhütte 3650 m über das Ewigschneefeld (eher mit Ski).

Beide Routen führen vorwiegend über Gletscher (Firn und Eis) und den ca. 500 m langen, felsigen Gipfelgrat; 7 bis 10 Stunden von der Mönchsjoch- oder von der Konkordiahütte und zurück; wenig schwierig;

Karte 1 : 25 000; Blatt 1249 Finsteraarhorn;

Karte 1 : 50 000; Blatt 264 Jungfrau (ev. mit Skirouten)

Clubführer "Berner Alpen 4", SAC Verlag 2010 ... Diesen Clubführer bestellen!

 

Der unbekannte Viertausender

Das Gross-Grünhorn ist der unbekannteste Viertausender der Berner Alpen. Dies kommt vermutlich daher, weil es von weitem nicht sichtbar ist und damit die Menschen im Unterland nicht immer an seine Existenz erinnert. Dies im Gegensatz zu allen andern Viertausendern der Berner Alpen, die sich dem Beobachter aus dem Mittelland und den Bergtälern wunderbar präsentieren.

Das Gross-Grünhorn wird von eben diesen andern Viertausendern umringt. Im Uhrzeigersinn und im Norden beginnend sind dies die Fiescherhörner, Schreckhorn und Lauteraarhorn, das Finsteraarhorn, das Aletschhorn, die Jungfrau und der Mönch.

Das bedeutet andererseits, dass der Besteiger des Gross-Grünhorns auch kaum in die Ferne sieht. Dafür hat er einen einmaligen Ausblick auf die nahen Eisriesen.

 

Attraktiv für Alpinisten

Dem Bergsteiger bietet das Gross-Grünhorn einige interessante Aufstiegsmöglichkeiten. Im Sommer führt die Normalroute von der Konkordiahütte zuerst auf das Grünegghorn und beinhaltet einige schöne und interessante Passagen wie den Anmarsch über den Grüneggfirn in der Regel noch nachts, den Ausstieg durch ein steiles Schneecouloir auf den Westhang des Grünegghorns und zum Schluss den exponierten Gipfelgrat mit Firn und Fels.

Mit Skis wählt man eher die Route von der Mönchsjochhütte über das Ewigschneefeld. Diese Tour beginnt mit einer Abfahrt, meistens ebenfalls noch bei Dunkelheit! Der Aufstieg über den spaltenreichen Gletscher des Südwesthanges des Gross-Grünhornes verlangt manchmal etwas Spürsinn für die beste Spuranlage und führt je nachdem auch unter Gletscherabbrüchen durch. Trotzdem darf diese Route als interessante Skitour empfohlen werden.

Die Südostwand und der Ostpfeiler bieten erstklassige Klettertouren in hochalpiner Umgebung. Sie werden vermutlich deshalb selten begangen, weil den meisten Alpinisten der Zeitaufwand für Anmarsch (Übernachtung in der Finsteraarhornhütte) und Abstieg (Übernachtung in der Konkordiahütte) zu gross ist.

 

Edmund von Fellenberg hatte noch Zeit

Die Erstbesteigung des Gross-Grünhorns liegt 130 Jahre zurück. Sie gelang dem Berner Geologen und Alpinisten Edmund von Fellenberg am 7. August 1865, nur drei Wochen nach dem dramatischen "Kampf ums Matterhorn" zwischen dem Italiener Carrel und dem Briten Whymper, bei dem bekanntlich Whymper als Sieger hervorging, seinen Erfolg aber mit vier Menschenleben bezahlen musste.

Auch Edmund von Fellenberg war in einen Wettstreit um eine Erstbesteigung verwickelt:

Zusammen mit seinen drei Bergführern von Grindelwald, Peter Egger, Peter Michel und Peter Inäbnit und dem Lauterbrunner Johann Bischoff wetteiferte Edmund von Fellenberg mit einer englischen Seilschaft unter der Führung des Grindelwalder Bergführers Christian Almer um die Erstbesteigung des Lauterbrunner Breithorns. Von Fellenberg und seine Begleiter erreichten den Gipfel schliesslich zehn Minuten vor ihren "Konkurrenten". Nach diesem Erfolg stiegen der Berner Alpenpionier und seine drei Grindelwalder Bergführer ins Lötschental ab, während Johann Bischoff vom Geologen von Fellenberg mit einer Ladung Gesteinsproben nach Lauterbrunnen zurück geschickt wurde! Am 6. August überquerten sie die Lötschenlücke, bezogen ein Biwak am Trugberg und erreichten am 7. August, genau eine Woche nach ihrem Erfolg am Breithorn, auch den Gipfel des Gross-Grünhorns als erste.

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