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Schreckhorn 4078m; fünfthöchster Viertausender der Berner Alpen; Grenzgipfel zwischen Guttannen und Grindelwald; zusammen mit dem Lauteraarhorn der einzige ganz auf Berner Boden liegende Viertausender; Gipfel aus Gneis; Ausgangspunkte Schreckhornhütte 2520 m und Glecksteinhütte 2317 m;Normalroute über Gletscher, Firn und Fels, eine der schönsten Normalrouten auf einen Viertausender im ganzen Alpengebiet; 8 bis 12 Stunden von der Schreckhornhütte und zurück; ziemlich schwierig;
Karten 1 : 25 000:
Blatt 1229 Grindelwald
Clubführer "Berner Alpen 5", SAC Verlag 1996
Der Name Schreckhorn ruft bei vielen Leuten - auch bei Alpinisten - oft ungute Gefühle hervor. Da sollte man doch besser die Hände respektive Füsse davon lassen, wenn ein Berg einen solchen Namen trägt. Bedeutet nicht schon allein dieser Name eine Warnung an die Bergsteiger, sich gescheiter einen andern Gipfel auszusuchen?
Ganz so schlimm ist es nicht. Mit "Schrecken" hat der Name nur indirekt etwas zu tun. "Schrecken" bedeutete ursprünglich nichts anderes als "emporragen". Das Wort kommt noch heute im Oberwalliser Dialekt vor, wo "schrecken" etwa mit "hinaufziehen" übersetzt werden könnte. Klar, dass ein Berg, welcher so in den Himmel "hinaufschreckt" wie das Schreckhorn, den Leuten auch Respekt oder gar Schrecken eingeflösst hat.
Aus alpinistischer Sicht ist das Schreckhorn aber alles andere als ein "schrecklicher" Berg. Die heutige Normalroute ist, abgesehen vom Einstieg, wo man ein steinschlägiges Couloir traversieren muss, objektiv sicher. Der Fels ist für einen Viertausender von überdurchschnittlicher Qualität und der Gletscher, den man für den Zustieg zum Beginn der eigentlichen Kletterei begehen muss, weist zwar einige Spalten auf, die aber meistens gut sichtbar und damit nicht mehr so gefährlich sind. Zu Recht wird das Schreckhorn zu den schönsten Viertausendern der Alpen gezählt, sowohl, was seine Form, vor allem aber auch, was seine Aufstiegsrouten für die Alpinisten betrifft.
Zwar haben die Engländer auch bei zahlreichen andern Erstbesteigungen im Berner Oberland und überhaupt im ganzen Alpengebiet eine wichtige Rolle gespielt, die Geschichte des Schreckhorns ist aber besonders stark von den englischen Bergpionieren geprägt worden.
Die treibende Kraft für die Erstbesteigung war der Theologe und Schriftsteller Leslie Stephen.
Er sicherte sich die Dienste der drei Grindelwalder Bergführer Ulrich Kaufmann, Peter und Christen Michel. Letzterer gehörte zu den bekanntesten Bergführern seiner Zeit und trug den bezeichnenden Übernamen "der Pfadfinder". Die vier Wagemutigen - als solche wurden sie mindestens von der damaligen einheimischen Bevölkerung angesehen - benützten den immer noch existierenden Unterschlupf beim Kastenstein, kaum zwanzig Minuten von der heutigen Schreckhornhütte entfernt, bevor sie am folgenden Tag das Schreckhorn über das Obere Couloir, den Schrecksattel und den Südostgrat zum ersten Mal bestiegen. Während die vier Erstbesteiger alle wohlbehalten ins Tal zurückkehrten, wurde der oben erwähnte Südostgrat einige Jahre später einem anderen Engländer zum Verhängnis. 1869 stürzte dort Julius Marshall Elliott, Pfarrer und bis zu jenem Tag erfolgreicher Alpinist (Zweitbesteiger des Matterhorns!), ab und konnte erst zwei Tage später nur noch tot geborgen werden. Die Unglücksstelle erhielt den Namen "Elliottswengli" und erheischt noch heute Vorsicht.
Drei Engländer zeichnen auch für die Erschliessung der heutigen Normalroute über den Südwestgrat verantwortlich. Erwähnenswert ist dabei, dass die drei diese Tour im Jahr 1902 ohne Führer vollbrachten.
Abschliessen soll diese unvollständige Engländerparade die Erwähnung von Anderson und Baker, denen unter der Führung des Grindelwalders Ulrich Almer und des Wallisers Aloys Pollinger die Erstbesteigung des Nordwestgrates gelang. Dieser Grat ist besser bekannt unter dem Namen "Andersongrat" und wird im Clubführer als "grossartige Hochtour mit prachtvollen Tief- und Rundblicken" charakterisiert.
Der oben bereits erwähnte Kastenstein war während den Anfängen des Alpinismus von so grosser Bedeutung, dass er im "Album der Club-Hütten des SAC" 1887 Aufnahme fand.
Der Kastenstein, respektive die Höhle darunter, bietet mehreren Bergsteigern Platz und befindet sich nur wenige Minuten von der Schwarzegg entfernt, wo die Sektion Oberland (heute Sektion Interlaken) unter Mithilfe der Grindelwalder Bergführer 1877 die erste eigentliche Berghütte am Schreckhorn baute.
Bereits fünf Jahre später wurde die Schwarzegghütte von der Sektion Basel übernommen und in der Folge gut unterhalten. Zeitweise galt die Schwarzegghütte "als schönste Hütte im Berner Oberland". Dies änderte sich leider, als 1910 die Strahlegghütte eine knappe Wegstunde weiter taleinwärts ebenfalls von der Sektion Basel erbaut wurde. Zwar stellten die Basler 1914 die Schwarzegghütte noch einmal in Stand, doch dann wurde der Unterhalt so stark vernachlässigt, dass sie schliesslich unbewohnbar wurde.
Auch die Strahlegghütte gibt es heute nicht mehr, obschon auch sie von vielen Alpinisten als "schönstgelegene Hütte" bezeichnet wurde. Sie wurde im Winter 1976/77 von einer Lawine derart beschädigt, dass nur noch ein Neubau in Frage kam. Dieser wurde im Jahre 1981 verwirklicht und zwar nur wenige Dutzend Meter oberhalb der ehemaligen Schwarzegghütte. Sie erhielt den Namen Schreckhornhütte und bietet neunzig Alpinisten Unterkunft.